Die San

Die San – auch bekannt als Bushmen – sind das vermutlich älteste Volk der Welt
Einen guten Einblick in ihre heutige Lebensweise gibt der Film „Das vermutlich älteste Volk der Menschheit“ des WDR.
Hier geht es zum Wikipedia-Artikel über die San.
Bekannt wurden die San in den 80er Jahren durch die Kinofilme „The Gods Must Be Crazy“ (1-3).

Wer mehr über die San wissen möchte, dem sei das über 650 Seiten starke Werk „Scraping the Pot“ empfohlen. Das Kapitel 5 des Buchs behandelt die Situation der Ju|’hoansi San im Gebiet um Tsumkwe im sog. Nyae Nyae Conservancy.

Artikel aus der Allgemeinen Zeitung (Namibias deutschsprachige Zeitung)

Staat muss San schützen

Es ist nicht das erste Mal, dass das Kommunalgebiet der (hauptsächlich) !Kung-San im Raum Tsumkwe – früher bekannt als Buschmannland – von politisch stärkeren Bantu-Mitbürgern illegal besetzt und – wie es jetzt heißt – als Dürre-Notweide für ihr Vieh genutzt wird. Weil die San große Gebiete eher traditionell nutzen, also zur Jagd und zum Sammeln von Feldfrüchten, erscheinen den benachbarten oder entfernteren Viehhaltern solche Ländereien eher als „Leerraum“, den man in der Art ungeordneter Kolonisierung einfach abzäunen und sich somit aneignen könne.
Die Justiz und die Regionalräte haben gerade nach überlanger Zeit mit einer vorigen Invasion illegaler Viehhalter im San-Gebiet abgerechnet, da sind schon wieder 31 neue Viehzüchter nachgerückt und das nicht erst seit gestern. Die traditionell nur in größere Sippen und nicht in Volksgemeinschaften geordnete Gesellschaft der San, wie sie unter ihren Bantu-Nachbarn besteht, ist einem solchen Ansturm von Groß- und Kleinviehfarmern nicht gewachsen und wäre hoffnungslos der Willkür ausgeliefert, würde die Regierung nicht eingreifen. Und das hätte schon viel früher geschehen müssen.
Eberhard Hofmann

 

San kurz im Mittelpunkt

Weniger Ziegen, dafür aber mehr politische Ermächtigung. Nach 24 Jahren souveränem Namibia befinden sich die indigenen San, etwa zwei Prozent der Gesamtbevölkerung, immer noch an der sozialen Peripherie. Aber während des vergangenen Jahrzehnts habe es kleine Schritte der Eingliederung gegeben, erklären etliche Partner der Minderheit.

Windhoek
Lokale und internationale Partner der Buschleute, korrekter gesagt der San (Aussprache Saan, nicht Sann), haben gestern ein massives Handbuch zur ethnologischen und sozio-ökonomischen Lage der indigenen Minderheit vorgestellt. Dabei haben auch traditionelle San-Führer das Wort ergriffen, nicht nur um sich für das Werk zu bedanken, sondern alle Interessenträger und Angehörige der eigenen Kultur- und Sprachgruppen zu ermutigen, das Werk zur Planung und zur Entwicklungsarbeit heranzuziehen, anstatt es auf dem ­Bücherregal verstauben zu lassen.
„Viele Namibier sind von den in der Verfassung garantierten Rechten und vom Mainstream der Gesellschaft ausgeschlossen“, sagte Clement Daniels, Jurist und früherer Direktor des Zentrums für Rechtsbeistand, heute auch Medienombudsmann. „Die San brauchen mehr politische Ermächtigung und weniger Ziegen und Matratzen“, führte er unter Hinweis auf die sporadische Gießkannen-Hilfe aus, die Gutmenschen den San angedeihen lassen und dann wieder verschwinden.
Die unsichere Lage der verschiedenen San-Gruppen äußert sich allein schon daran, dass die Wissenschaftler des massiven Werks „Scraping the pot“ (Bildsprache aus einer San-Erzählung) nicht einmal die genaue Zahl der San-Gruppen exakt addieren können, denn sie schätzen die Bevölkerung auf „zwischen 27000 und 38000 Menschen“ ein.
Ombudsmann Adv. John Walters erinnerte daran, dass die Regierung vor vier Jahren ein Gesetz für die San angeordnet habe, um einen Rahmen zu schaffen, um die Bevölkerungsgruppe in die Hauptbereiche der Gesellschaft einzugliedern, von denen sie nach wie vor ausgeschlossen sei. Die Bereiche der Lebensqualität blieben ihnen nach so vielen Jahren immer noch verschlossen, sagte Walters, ohne auf den UN-Index der Lebensqualität in Namibia hinzuweisen, wonach die San mit Abstand die unterste Stufe im Land einnehmen und die deutschsprachige Namibier die oberste. „Im Übrigen setzen wir gute Schriften auf und verabschieden gute Gesetze“, so Walters, „aber wir setzen sie nicht um.“ 2012 sei ein Bericht mit Empfehlungen zur häuslichen Gewalt aufgesetzt worden. „Wir haben den weder gelesen noch umgesetzt. Und wo stehen wir heute?“ wollte Walters wissen.
Er wies auf Anstrengungen der Regierung hin, die ungefähr vor zehn Jahren angefangen habe sich konkret um die San zu kümmern. Ein Gemeinschaftsführer, Petrus Doeseb, sagte: „Die Regierung kann jetzt nicht allein für die Mängel verantwortlich gehalten werden, San-Führer müssen auch zupacken.“ Das große Werk biete dazu eine gute Grundlage und Anweisung.
Ute Dieckmann, eine der Autorinnen, mahnte, Interessenträger und Freunde der San sollten sich nicht vom Umfang des Werkes abschrecken lassen, denn es gebe detaillierte Empfehlungen, regionale Profile und Zusammenfassungen.

 

Mit Überlegung rechte Hilfe

Fr, 2014-04-11 07:00 — Allgemeine Zeitung

Die Ureinwohner, die San von Namibia, haben unter allen Landesbürgern ihren angestammten Platz, der unanfechtbar sein sollte. Aber jeder weiß, dass die rund 35000 San mit vier Hauptsprachgruppen und etlichen Verästelungen keine mit den anderen Sprach- und Kulturgruppen vergleichbare politische Struktur haben. Diese brauchen sie dringend auch zur Wahrung ihres geschrumpften, bedrohten Siedlungsraums aus dem Vermächtnis des früheren umstrittenen Odendaal-Planes, wodurch alle maßgebliche Bevölkerungsgruppen „exklusive“ Gebiete erhielten. An der Raumordnung hat die souveräne namibische Regierung – abgesehen von der Landreform – bisher kaum zu rütteln gewagt.
Ohne Schutz der Zentralregierung hätten benachbarte Ovaherero der Omaheke und andere Zuwanderer das ehemalige Buschmannland des Odendaal-Planes sich schon längst unter den Nagel gerissen. In dem jetzt veröffentlichten Standardwerk über die San geht es um alle, im ganzen Land verstreuten, Gruppen und ihre Zukunft. Sie brauchen in der Tat weniger Decken und Ziegen als Bildung, Sprachförderung und Schulung – in der namibischen Beutegesellschaft – zur politischen Selbstbehauptung.

Eberhard Hofmann

 

Eigene Schulbücher für San

ABC-Schützen der San können in eigener Sprache lernen
Das nächste Schuljahr 2014 bietet einen besonderen Einstieg für San-Schulanfänger von Tsumkwe, Otjozondjupa, Divundu und Kavango Ost. Zum ersten Mal in der Geschichte der San-Schüler erfahren sie nach der Einschulung ihre eigene Schriftsprache.

Von Eberhard Hofmann/Nampa
Windhoek/Grootfontein
Mit diversen Entwicklungspartnern hat das Bildungsministerium Textbücher für die 1. und 2. Klasse zusammengestellt, die in zwei Muttersprachen verfasst sind: Kwedam und Taa-San. Über die Sprachen wurde schon länger geforscht, unter Anderem durch Prof. Oswin Köhler, der sich in den fünfziger Jahren länger unter den Kwe am Okavango aufgehalten hat. Seine Forschung wurde später von der Universitiät von Köln fortgesetzt, als Linguisten wie Dr. Mathias Brenzinger mit Assistenten Volksmärchen gesammelt und eine Sprachlehre für Kwedam aufgesetzt haben.
Mit der Herausgabe von Lehrbüchern in den Minderheitssprachen erhalten die Kinder der Buschleute bei fachkundigem Unterricht die Chance, sowohl ihre Sprachen zum ersten Mal formal zu lernen als auch eine besser fundierte Mehrsprachigkeit zu erlangen. Englisch als Amts- und spätere Unterrichtssprache kommt ohnehin dazu.
Hunderte San-Schüler waren letzthin zu der ersten Vorstellung der Bücher aus den Regionen Kavango, Sambesi, Otjozondjupa, Omaheke und selbst von Kunene angereist, um mit der Regionalrätin von Tsumkwe, Francina Hishekwa-Ghauz die Chance eines gleichgestellten und kulturell angemessenen Schuleinstiegs zu feiern, der für politisch und kulturell starke Gruppen in Namibia schon lange gegolten hat. Hishekwa-Gauz ist eine der wenigen PolitikerInnen, die aus der San-Gemeinschaft stammt, und die es bis auf die politische Ebene geschafft hat.
Bisher wurden San-Kinder in ­Klassen mit anderssprachigen Kindern gezwungen, meist Muttersprachler der Bantusprachen. In seltenen und vereinzelten Fällen haben weiße Farmersfrauen, die mit einer San-Sprache groß geworden sind, hier und da eine Farmschule durch Sprachuntericht einer San-Sprache ergänzt.
Hishekwa-Gauz hat sich persönlich sehr über den verheißungsvollen Schritt für die San-Kinder gefreut: „In der Muttersprache zu sprechen, schreiben und zu lesen ist aufregend. Auch ich bin überzeugt, dass Unterricht in der Muttersprache den Kindern zu wahrem intellektuellen Fortschritt verhilft.“
Die in Grootfontein versammelten Kinder gehörten zu den Ju//hoansi von Tsumkwe, zu den Khoe-San von Kavango/Sambesi sowie zu den Hai­//om der Kunene-Region.

Erstes Lehrmittel für die San:

Ju'hoan